JF – Besuch bei der Flughafenfeuerwehr Stuttgart

VonAndreas Armbruster

JF – Besuch bei der Flughafenfeuerwehr Stuttgart

Am Samstag, den 27. Januar 2018, war die Jugendfeuerwehr Kirchentellinsfurt zu Besuch bei der Flughafenfeuerwehr Stuttgart. Mit insgesamt drei Fahrzeugen ging es um die Mittagszeit in Richtung Stuttgarter Flughafen. Dort angekommen wurden wir – nach erfolgter Kontrolle im Sicherheitsbereich des Flughafens – von Wolfgang Ott, dem diensthabenden Schichtführer freundlich empfangen.

Von Terminal 4 aus ging es dann im großen Mannschaftstransportbus in Richtung Feuerwache. Die Fahrt dorthin ging einmal quer über das Gelände des Flughafens, sodass wir uns zugleich einen guten Eindruck dessen Infrastruktur und der Größe des Ausrückebereichs der Kameraden verschaffen konnten.

Das Augenmerk der Führung lag natürlich vor allem auf der technischen Ausstattung sowie der Hintergründe und Struktur der Flughafenfeuerwehr. Bei der Flughafenfeuerwehr Stuttgart sind derzeit 86 hauptamtliche Kräfte beschäftigt. Zwei Wachschichten sorgen für die Sicherstellung des Dienstbetriebes und arbeiten jeweils im 24 Stunden Schichtdienst. Die Mindestschichtstärke liegt bei 19 Feuerwehrangehörigen rund um die Uhr, davon ein Einsatzleiter vom Dienst.

Das Aufgabenspektrum der Flughafenfeuerwehr erstreckt sich natürlich nicht „nur“ auf das Reagieren im Notfall – im Gegenteil: Das Aufgabenspektrum ist extrem breit gefächert und bezieht beispielsweise auch den vorbeugenden Brandschutz auf dem Flughafengelände mit ein; sodass es Bestenfalls gar nicht erst zu Unfällen kommt.

Im Großen und Ganzen bewerkstelligt die Flughafenfeuerwehr folgende Aufgabengebiete:

  • Flugzeugbrandschutz nach den ICAO-Richtlinien, Kategorie 10
  • Technische Hilfe bei Flugzeugunfällen (auslaufender Kraftstoff, Flugzeugbergung,…)
  • Gebäudebrandschutz (bspw. Prüfung von ca. 20.000 Feuerlöschern auf dem Flughafengelände)
  • Betrieb einer Feuerwehr- und Rettungsleitstelle
  • Rettungsdienst (medizinische Notfälle, Vorhaltungen für den Massenanfall von Verletzten, .)
  • Betrieb einer Sanitätsstation
  • Dienstleistungen für andere Fachabteilungen u. externe Auftraggeber
  • Aircraft Recovery Training Center: Internationale Ausbildungsstätte für Flugzeugbergecrews
  • Flugzeugbergung: Durchführung von Flugzeugbergung auf anderen Flughäfen
  • Ausbildungsstätte für andere Feuerwehren, Rettungsdienst, Atemschutzausbildungen,…
  • Winterdienst auf dem Flughafengelände zur Sicherstellung des Dienstbetriebs

Neben den „gewöhnlichen“ Feuerwehrtätigkeiten haben die Kameraden also auch allerhand anderer Aufgaben zu erledigen. Eine große Bedeutung kommt dabei vor allem dem Rettungsdienst auf dem Flughafengelände zu Gute: Aufgrund der großen Personenanzahl kommt es immer wieder zu medizinischen Notfällen. Diese werden mit den am Flughafen stationierten zwei Rettungstransportwägen (RTW) bewältigt.

Nachdem uns also die Basics Rund um die Flughafenfeuerwehr von Wolfgang Ott im Atrium der Feuerwache erläutert worden waren, ging es auch schon in die Fahrzeughallen. Direkt ins Auge springen da sofort die vier (!) riesigen Flughafenlöschfahrzeuge (FLF). Die vier Fahrzeuge sind im Grunde genommen alle recht ähnlich ausgestattet, unterscheiden sich aber taktisch aufgrund der Ausgestaltung der wasserabgebenden Armatur auf dem Fahrzeug: Zwei der Fahrzeuge verfügen über eine Art „Lanze“ (Z-Attack Löschgelenkarm mit 17/20 Meter Teleskopreichweite), welche im vorderen Bereich viele kleine Löcher aufweist. Diese Lanze wird im Falle eines Brandes in das brennende Objekt „gebohrt“, sodass die Wasserabgabe über die Löcher im vorderen Teil der Lanze effektiv direkt in die Nähe des Feuers erfolgen kann. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn zunächst kein Zugang möglich ist. Zusätzlich zu diesem Löschgelenkarm verfügen die Fahrzeuge auch über einen Dachmonitor mit bis zu 8.000l Wasserabgabe pro Minute sowie einen Frontmonitor mit bis zu 3.800l Wasserabgabe pro Minute. Die beiden anderen FLF verfügen nicht über eine solche Löschlanze, sondern haben „nur“ den Dach- sowie Frontmonitor vorzuweisen. Diese dienen bspw. zum Aufbringen großer Mengen an Löschmittel auf brennende Objekte. Die reinen technischen Daten der Fahrzeuge dürften nicht nur bei Angehörigen der Feuerwehr für leuchtende Augen sorgen: 735 kW (1000 PS) Motorleistung, 135 km/h Höchstgeschwindigkeit, 12m Fahrzeuglänge, 3m Fahrzeugbreite und 3,75m Fahrzeughöhe, 42t zulässiges Gesamtgewicht, 12.500l Tankinhalt Wasser, 1.500l Schaummittel und eine Pumpenleistung von 6.000l / 10 bar / 305 PS bei der „Lanzen“-Version (8.000l / 10 bar / 420 PS bei der „Werfer“-Version). Als Zusatzlöschmittel haben die Fahrzeuge außerdem noch CO² oder Pulver an Bord.

Neben den vier FLF befinden sich auch Fahrzeuge im Fuhrpark der Flughafenfeuerwehr, die schon eher mit den Fahrzeugen einer „normalen“ Feuerwehr zu vergleichen sind: Hilfeleistungs-Tanklöschfahrzeuge, eine Drehleiter, Wechselladerfahrzeuge, Einsatzleit- und Mannschaftstransportwagen gehören beispielsweise dazu. Die Flughafenfeuerwehr Stuttgart ist im Besitz eines riesigen Portfolios an Abrollbehältern mit Sondermaterialien. Diese Abrollbehälter werden in der Regel mit den Wechselladerfahrzeugen zur jeweiligen Einsatzstelle transportiert und können dort dann „eigenständig“ betrieben werden. Ein besonderer Schwerpunkt der Kameraden in Stuttgart liegt im Bereich der Flugzeugbergung. So befinden sich beispielsweise zwei Abrollbehälter mit Rüstholz in Bereitschaft, ein Abrollbehälter vollständig gefüllt mit Kies sowie diverse Basis-Module mit Hebekissen & Co. Aufgrund dieser Spezialisierung ist die Flughafenfeuerwehr Stuttgart eine im In- und Ausland gefragte Ausbildungsstätte und wird in Unglücksfällen durchaus auch von anderen Flughäfen zur Unterstützung angefordert.

Zu den spezielleren Fahrzeugen gehört dann wiederrum das Kleineinsatzfahrzeug (KEF) oder auch „Parkhauslöschfahrzeug“ genannt. Mit Hilfe dieses Fahrzeuges ist es der Flughafenfeuerwehr möglich, Parkhäuser zu befahren in welchen sich möglicherweise ein brennendes Fahrzeug befinden könnte. Mit einem Löschfahrzeug normaler Größe wäre hier absolut kein Durchkommen möglich. Auch das Rettungstreppenfahrzeug gehört sicherlich zu der Gattung an Fahrzeugen, die man nicht allzu oft zu Gesicht bekommen dürfte: Mit dessen Hilfe ist es beispielsweise möglich, Passagieren einer verunglückten Maschine das Aussteigen aus dem Flugzeug fernab der Rollbahn zu ermöglichen.

Im Falle einer Tatsachen-Alarmierung (also eines tatsächlich eingetretenen Flugzeugnotfalls) rücken im Übrigen – neben den Kräften der Flughafenfeuerwehr – weitere 300 Kräfte aus dem Umland in Richtung des Stuttgarter Flughafens aus. Alleine an dieser beeindruckenden Zahl kann man erahnen, welch organisatorischer Aufwand hinter den Kulissen abläuft.

Die Führung bei den Kameraden der Flughafenfeuerwehr Stuttgart hat allen Teilnehmern der Jugendfeuerwehr Kirchentellinsfurt (und auch deren Betreuern / Begleitern) viel Spaß bereitet und gleichzeitig einen tieferen Einblick in einen speziellen Bereich des Feuerwehrwesens gegeben. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Wolfgang Ott für die Führung sowie das ganze Team drum herum für die Möglichkeit, solche Führungen überhaupt zu ermöglichen.

Das Betreuer-Team

Über den Autor

Andreas Armbruster administrator

Schriftführer und Webmaster/IT-Admin